Von tsüri

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24. Mai 2022 um 08:30

7 Perspektiven auf das tierische Nachtleben in Zürich

Glühwürmchen, Fledermäuse oder Eulen sind nur einige der Tiere, welche nachts in unserer Stadt unterwegs sind. Am Samstag hat der Verein «Abenteuer Stadtnatur» in Kooperation mit Tsüri.ch zur Pitch-Night zum nächtlichen Tierleben in Zürich eingeladen. Ein Rückblick.

Knapp 100 Personen haben die Pitch-Night im Zentrum Karl der Grosse besucht.

1. Anouk Taucher – SWILD

«Im Langstrassenquartier trifft man allerlei interessante Gestalten und Figuren an. Aber hast du schon mal einen Dachs gesehen?» – Biologin Anouk Taucher von der unabhängigen Forschungsgemeinschaft SWILD zeigt in ihrem Pitch, dass sich in der Stadt diverse Tiere den Lebensraum des Menschen angeeignet haben. 

Die Referentin zeigt ein Video, in dem zu sehen ist, wie ein Dachs mitten in der Nacht auf der Strasse in der Nähe der Hardbrücke unterwegs ist. Dies sei kein Einzelfall. Das Tier mit der schwarz-weissen Gesichtsmaske sei unter anderem auch schon an der Langstrasse gesichtet worden. Der Dachs sei ein sehr reinliches Tier (hat sogar Latrinen!), schlafe mit seiner Sippe in einem weitverzweigten Bau und könne in einer Nacht einen ganzen Garten umpflügen. 

«Dem Dachs geht es in der Stadt sehr gut», so Anouk Taucher. Einzig der knappe Platz für den Bau schränkt seine Ausbreitung ein. Wie viele dieser Tiere in der Stadt Zürich leben, ist nicht bekannt. Klar ist aber, dass die Anzahl der Tiere in den letzten Jahren gestiegen ist. 

Hier geht es zum Pitch von Anouk Taucher.

2. Selina Wüst – Natrix Gruppe

Die Jugendlichen der Gruppe Natrix seien «Fans der Natur», erklärt  Moderator Stefan Heller. Die Vertreterin Selina Wüst erzählt von nachtaktiven Eulen und Käuzen. Die beiden Vogelarten werden übrigens nur in der deutschen Sprache unterschieden. Eigentlich gehören sie zur selben Gruppe. Der Hauptunterschied zu anderen Vögel seien die Augen, die auf der Vorderseite des Kopfes platziert sind und nicht auf der Seite. Dafür besitzen sie die Fähigkeiten den Kopf ganze 180 Grad zu drehen. Dies dank doppelt so vielen Halswirbeln wie bei den Menschen. Neben Pestiziden, sind Fensterscheiben oder auch Autos eine Gefahr für die Tiere. 

Fun Fact: Die Eulen und Käuze hören nicht mehr als wir Menschen, sondern einfach höhere Frequenzen. Dadurch können sie beispielsweise Mäuse lokalisieren. 

Hier geht es zum Pitch von Selina Wüst.

3. Max Ruckstuhl – Grün Stadt Zürich

Kurz vor dem Herzinfarkt, Stress bei der Arbeit, Mails, Telefonate; dann ausruhen auf einer Bank im Sonnenuntergang. Max Ruckstuhl von Grün Stadt Zürich nimmt die Zuschauer:innen mit auf eine entspannende Reise in das nächtliche Zürich. Auf einem Spaziergang begegnen wir Enten, Eichhörnchen, Froschlaichen, Erdkröten, Wasserschnecken und Graureiher. Der erzählte Ausflug mit Max Ruckstuhl endet in der Nähe eines Weihers, wo zum Sonnenuntergang unzählige Amphibien den Weg säumen. Damit diese in Zürich gut zurecht kommen, hat die Stadt rund 4000 Ausstiegshilfen montiert. 

Hier geht es zum Pitch von Max Ruckstuhl.

4. Liliana Schönberger – Dark Sky Switzerland

Die Nacht zeichnet sich vor allem durch den dunklen Himmel aus. Dieser wurde schon von unseren Vorfahren und diversen Völker beobachtet und studiert, so Liliane Schönberger von Dark Sky Switzerland. Aber nicht nur Menschen orientieren sich am Himmel,, auch für Vögel dienen die Sterne und der Mond als Orientierungshilfe. So können sie zum Beispiel dank den Gestirnen ihr Winterquartier oder ihr Nest besser finden. Ist der Nachthimmel aber nicht dunkel genug und die Sicht schlecht, seien die Tiere oft orientierungslos. 

Hier geht es zum Pitch von Liliana Schönberger.

5. Matthias Riesen – Glühwürmchenverein

Wenn der Himmel in der Nacht komplett dunkel ist, kann ein einziges kleines Käferchen seine Umgebung in grünes Licht hüllen. Auch in der Stadt Zürich sind die Glühwürmchen zahlreich unterwegs; vorwiegend in Gebieten mit einigen Grünflächen. Leuchten tut das Tierchen übrigens, um sich für die Paarung sichtbar zu machen und mögliche Feinde abzuschrecken. Mit dem Leuchten wollen sie mitteilen, dass sie giftig sind. Selber lassen sich die Glühwürmchen nicht von anderen Tieren abschrecken. Sie seien wahre Räuber und würden  auch mal ganze Schnecken fressen, erklärt Matthias Riesen vom Glühwürmchenverein. Falls du die Glühwürmchen leuchten sehen willst, gehst du also am besten dorthin, wo sich viele Schnecken tummeln. Gut zu wissen: Das Glühwürmchen ist kein Wurm, sondern ein waschechter Käfer. 

Hier geht es zum Pitch von Matthias Riesen.

6. Manfred Knabe – Botanischer Garten

Der Gärtner vom Botanischen Garten hat für seinen Pitch eine Pflanze mitgebracht: Die tropische Königin der Nacht. Im Mai bildet sie Knospen, im Juni blühen die grossen Blüten mit bis zu 30 Zentimeter Länge, welche nach Vanille riechen und nachts aufgehen. Die Frucht, welche sich nach erfolgreicher Bestäubung bildet, wäre sogar essbar. 

Im Botanischen Garten übernehmen die Gärtner:innen die Bestäubung, in der freien Natur erledigen dies unter anderem Falter. Theoretisch könnte diese Aufgabe auch von einheimischen Käfer übernommen worden, was bis jetzt aber noch nicht vorgekommen sei. Die weisse Blüte reflektiert das Mondlicht, wodurch die Pflanze gut sichtbar leuchtet. Wer sich dieses Naturereignis selber anschauen will, kann eine Führung durch den botanischen Garten besuchen

Hier geht es zum Pitch von Manfred Knabe.

7. Hubert Krättli – Stiftung Fledermausschutz

Fledermäuse hängen an Wänden, sind blind und orientieren sich mit ihrem guten Gehör – dies, aber nicht viel mehr, wissen wohl Laien über die Fledermäuse.Der Biologe Hubert Krättli von der Stiftung Fledermausschutz bezeichnet das Tier als die heimliche Königin der Nacht. Mittels rufen soll das Publikum das Thema seines sieben minütigen Referats bestimmen: Ultraschall gewinnt.. Die Fledermäuse orientieren sich mit der sogenannten Echoorientierung. D Fledermäuse fliegen mit offenen Mündern. Die abgegebenen Rufe treffen auf Hindernisse, das Echo des Tons kehrt zur Fledermaus zurück und so orientieren sie sich. Übrigens: Vampire gibt es tatsächlich. Aber nicht bei uns, sondern in Mittel- und Südamerika. Sie beissen mit ihren Schneidezähnen nachts kleine Löcher in Vögel und saugen das Blut aus. Diese Art kommt aber sehr selten vor, denn . nur drei von über 1000 Fledermausarten ernähren sich von Blut, die anderen von Insekten. 

Hier geht es zum Pitch von Hubert Krättli.

Im Anschluss an die Pitch-Night nahmen die meisten der mehr als hundert Zuschauer:innen an der Fledermausexkursion der Limmat entlang teil und erkundeten so das tierische Nachtleben in Zürich. 


Der Anlass entstand in Kooperation mit dem Festival «Abenteuer Stadtnatur» vom Verbund Lebensraum Zürich (VLZ) und wurde von Stefan Heller (Vize-Präsident VLZ) moderiert.