6 Tipps für einen gesunden Umgang mit dem Smartphone

Bis zu 2600 Mal berühren wir täglich unser Smartphone. Smartphonesucht ist in aller Munde. Der Grund: Social Media Apps buhlen in einem Nullsummenspiel um unsere Aufmerksamkeit. Die Gesundheit der User*innen bleibt dabei auf der Strecke.
15. November 2018

Es wäre überzogen der Jugend eine problematische Beziehung zu ihren Handys vorzuwerfen. Ohne Smartphone und Internet könne man heute einfach nicht mehr leben, meint Jugendarbeiter Ivica Petrušić gegenüber Tsüri.ch. Die Jugend besteht aus Digital Natives und versteht den virtuellen Raum meist besser als ihre Eltern. Smartphone-Nutzung nimmt allerdings in allen Altersgruppen immer weiter zu. Der zwanghafte Blick auf den Bildschirm wird bald zum gesamtgesellschaftlichen Problem.

Meine persönliche wöchentliche Handy-Nutzung

Eine Tracking-App verrät: zwischen 17 und 21 Stunden habe ich in den vergangen Wochen am Handy verbracht, die meiste Zeit davon auf Facebook, Youtube und Instagram. In meinem Umfeld ergibt sich ein ähnliches Bild. Durch alle Altersklassen sind die sozialen Medien auf den ersten Plätzen der Zeitfresser am Smartphone.

Das Nullsummenspiel um die Aufmerksamkeit

Tech-Konzerne verwenden Erkenntnisse aus der Psychologie, um die Verweildauer und Aktivität der User*innen auf ihren Kanälen zu fördern. Die Konzerne buhlen auf den Geräten der User*innen regelrecht um deren Aufmerksamkeit. Diese lässt sich nämlich konkret in Werbeeinnahmen und Profit ummünzen. Deine Zeit ist Geld.

Aufmerksamkeit ist ein beschränktes Gut und die Konzerne konkurrenzieren in einem Nullsummenspiel darum. Verbessert ein Anbieter seinen Algorithmus und verschickt beispielsweise mehr Push-Notifications, verliert ein anderer Marktanteile. So stehen die Konzerne in einem Kopf an Kopf Rennen, ihre Apps immer überzeugender zu gestalten, um dich länger vor dem Bildschirm zu halten. Die Folgen für die Gesundheit sind kaum vorhersehbar.

Das amerikanische Center for Humane Technology kritisiert die Methoden der Tech-Industrie scharf. Die Konzerne nehmen mit ihrem Vorgehen Suchtverhalten und psychische Probleme ihrer Nutzer*innen in Kauf. Am Google Standort Zürich steht auf Anfrage niemand für ein Gespräch zu diesem Thema zur Verfügung. Die Pressestelle verweist lediglich auf die konzerneigene Wellbeing Kampagne. Fakt ist: Die Konzerne und deren Shareholder können nur verlieren, wenn sie ihre Dienste weniger süchtig machend gestalten.

Der Teufel an der Wand

Für die Entwicklung einer ausgewachsenen Verhaltenssucht sind meist verschiedene Faktoren notwendig. Eine Studie der ZHAW zeigt, dass Faktoren wie Impulsivität, familiäre Probleme, Depressionen oder Gruppendruck eine Handysucht klar begünstigen. Die Mechanismen innerhalb der Apps, die teilweise von Glückspielanbietern abgeschaut wurden, sind jedoch eine weitere Triebkraft für die Entwicklung von Suchtverhalten.

Jetzt bewusster konsumieren!

Es ist unwahrscheinlich, dass Konzerne wie Facebook oder Google ihre Algorithmen ändern. Insofern empfiehlt es sich, das Suchtpotential des Smartphones selbst in die Hand zu nehmen. Mit den folgenden sechs Tipps des Center for Humane Technology lässt sich ein bewussterer Umgang mit dem eigenen Smartphonekonsum erzielen.

1. Schalte alle nicht-menschlichen Notifications aus.

Applikationen wollen deine Aufmerksamkeit gewinnen, indem sie dir Interaktion vorspielen. So informiert Facebook darüber, dass ein*e Freund*in an einer Veranstaltung in der Nähe interessiert ist und Instagram meldet neue Stories. Schalte diese Benachrichtigungen ganz aus oder deaktiviere zumindest die Push-Notifications. Ziel sollte sein, dass du nur benachrichtigt wirst, wenn dich auch tatsächlich ein Mensch erreichen möchte.

2. Den Homescreen ausschliesslich mit nützlichen Applikationen füllen.

Behalte auf deinem Homescreen ausschliesslich Apps, welche nützlich fürs tägliche Leben sind. Das sind Apps, die dich nicht automatisch in eine Endlosschleife an unterhaltsamen Inhalten hineinsaugen, sondern einen Mehrwert im Leben bieten. Beispiele dafür: Die SBB-App, Maps, dein Kalender, Bikesharing und so weiter.

3. Apps mit der Suchfunktion öffnen

Die logische Konsequenz des oberen Tipps: Öffne alle anderen Applikationen mit der Suchfunktion und wähle somit bewusst, was du konsumieren möchtest.

4. Lade dein Smartphone ausserhalb deines Schlafzimmers

Gib deinem Telefon bewusst weniger Platz in deinem Leben. Dein Smartphone sollte nicht der letzte und erste Kontakt des Tages sein.

5. Verschicke mehr Sprachnachrichten

Selbst wenn mit Emojis angereichert, können Textnachrichten von dem*der Empfänger*in oftmals nicht eindeutig interpretiert werden. Dies führt zu Unsicherheit, Rückfragen und somit zusätzlicher, unnötiger Kommunikation. Sprachnachrichten lassen sich viel besser interpretieren. Diese und weitere Gründe für Sprachnachrichten zählt Redaktorin Seraina in ihrem Meinungsartikel auf.

6. Schalte deinen Bildschirm auf Greyscale

Push-Notifications und App-Icons sind alle in warmen, einladenden Farben gehalten. Diese verleiten zum Klick und erschweren die Einschätzung der Wichtigkeit einer Benachrichtigung. Der wohl radikalste Schritt ist, den ganzen Bildschirm auf Greyscale umzuschalten, um so den Farbanreizen zu entgehen.

Titelbild: Timothy Endut


Vom 19. bis 26. November veranstalten wir eine suchtfreie Woche! Gemeinsam versuchen wir eine Woche auf unsere Laster zu verzichten. Dabei helfen dir die Expert*innen von Lunge Zürich, dem Blauen Kreuz und RADIX, auf das Smartphone, Zigaretten und Alkohol und weiteres zu verzichten. Bist du dabei? Dann melde dich hier an.

Falls du das Gefühl hast, mehr Hilfe zu benötigen: Hier haben wir dir eine Liste mit den wichtigsten Anlaufstellen erstellt.


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