4,5 Gründe, warum die oBikes mega nice sind

Die orangen Velos hatten den Zürcher Sommer fest im Griff. Vor allem negative Schlagzeilen dominierten die Berichterstattung (auch von uns) doch wir finden: Den oBikes haben wir wichtige Debatten zu verdanken!
11. September 2017

Hässlich seien sie, niemand brauche sie, zu viele Daten sammelten sie, es seien schlicht zu viele. So der allgemeine Tenor zu den oBikes in den letzten Wochen. Nach dem Gemotze ist es Zeit, einen nüchternen Blick auf die gelben Velos zu werfen. Darum hier 4,5 Gründe, warum wir uns über die oBikes freuen sollten:

1. Weil wir über den öffentlichen Raum diskutieren

Die schiere Menge der orangen (oder sind sie gelb?) Velos wirft eine wichtige Frage auf: Wem gehört der öffentliche Raum? Wer darf ihn nutzen? Zu Spitzenzeiten standen 900 oBikes in der Stadt rum. Auf Drängen von Stadtrat Leutenegger hat oBike inzwischen auf 500 Stück reduziert. Trotzdem: Sie kamen über Nacht und prägen das Stadtbild noch immer. Für jede noch so kleine Veranstaltung auf öffentlichem Grund braucht es eine Bewilligung der Stadt. Wer keine einholt, muss mit polizeilichen Sanktionen rechnen. Aber eine singapurische Velo-Verleih-und-Daten-Sammel-Firma darf ungefragt alles zuspammen. Ist das fair? Wer darf wann, wie und warum den öffentlichen Raum nutzen?

2. Weil wir über Eigentum diskutieren

«Meins, deins, das sind doch bürgerliche Kategorien», sagt das Känguru in Marc-Uwe Klings «Känguru Chroniken». Sharing-Economy zielt genau in diese Richtung. Viele Dinge, die wir nutzen, müssten wir nicht selber besitzen. Für Wohnungen gibt es Airbnb, für Autos Sharoo und Mobility, für kleinere Geräte gibt es zum Beispiel Pumpipumpe. Etwas, das alle brauchen, aber nicht alle einzeln besitzen müssen, kann geteilt werden. Im besten Fall gehören diese Güter nicht einer gewinnorientierten Firma aus Singapur, sondern der Allgemeinheit – damit würden sie zu sogenannten «Commons» werden. oBike hat Zürich gezeigt, dass nicht alle ein eigenes Gefährt bräuchten und dass mit der passenden Technologie sogar das Teilen von Velos, die immer woanders stehen, kein Problem wäre.

3. Weil wir (noch mehr) über Velos diskutieren

Die Debatte erhielt dank oBike neuen Schwung: Was braucht Zürich zur Velostadt? Offenbar keine 900 gelben Velos, wie wir den ganzen Sommer über erlebt haben – sie stehen ja meistens nur dumm rum. Was viel dringender wäre, ist eine ausgebaute Infrastruktur. Also Velowege. Viele Velowege! Das wussten auch schon vor der «gelben Plage» alle, doch dank oBike dominierte das Thema «Velo» den ganzen Sommer. Natürlich könnten auch Shared-Velos in Zürich gut funktionieren. Dafür müssten sie schöner und hochwertiger und eventuell mit einem SBB- oder VBZ-Abo verknüpft sein und so Teil des ÖVs werden.

Auf Bikeable.ch findest du übrigens diese Karte, wo verschiedene gefährliche und vorbildliche Veloweg-Situationen eingetragen werden können:

4. Weil wir endlich über Smart City diskutieren sollten

Die Digitalisierung macht beim öffentlichen Raum keine Ausnahme: Smart City nennt sich das. Eine intelligente Stadt sammelt unendlich viele Daten und nutzt diese, um beispielsweise den Verkehr effizienter zu leiten. Sprich: Smart City kombiniert das Analoge mit dem Digitalen und fördert mit dem Sammeln und Auswerten von Daten die Effizienz. oBike zeigt auf, in welche Richtung es gehen kann: Die Firma weiss, wie und wo sich die Nutzer*innen bewegen und du wiederum kannst dank deinem Smartphone spontan entscheiden, ob du lieber das Velo, den Bus oder ein Uber nehmen willst. Smart City ist ein Begriff, den wir uns merken müssen. Denn viele Fragen sind noch ungeklärt und die öffentliche Debatte hinkt dem technologischen Fortschritt einmal mehr gewaltig hinterher: Was passiert mit unseren Daten? Wie «intelligent» soll Zürich werden? Was passiert mit mir, wenn ich nicht mitmachen will?

Wie das aussehen kann, siehst du in dieser ARTE-Dokumentation.

Bonus: Weil wir (besoffen) heimfahren können

Wie ein Beispiel von Tsüri-Redaktor Mike Mateescu zeigt, eignen sich die oBikes ganz gut, um mitten in der Nacht quer durch die Stadt zu fahren.

Und jetzt du: Warum findest du die oBikes toll?

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