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3 Gründe, die «Mir langets!»-Kampagne genauer anzusehen

Es ist das erste Mal, dass die Leute bezahlen, damit sie eine Petition unterschreiben dürfen.
08. Oktober 2015
Chefredaktor
Noch nie haben so viele Menschen in der Schweiz so viel Geld für ein Crowdfunding-Projekt locker gemacht. Zwar läuft die «Mir langets!»-Kampagne noch bis am Sonntag und es fehlen noch 6000 Franken, doch Initiator Donat Kaufmann wird sein Ziel erreichen: 138‘815 Franken, um auf der Frontseite der 20 Minuten gegen die «absurden Züge des aktuellen Wahlkampfs» ein Zeichen zu setzen.

Mit dem Unterstützungsbetrag von fünf Franken zeigen über 10‘800 Unterstützer (Stand: Donnerstagmittag), dass sie nicht einverstanden sind, wenn sich die SVP nicht nur das Titelblatt der grössten Zeitung kauft, sondern als Dankeschön gleich noch das Editorial schreiben darf – was es normalerweise in der 20 Minuten gar nicht gibt.




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Die Crowdfunding-Aktion von Donat Kaufmann ist nicht nur speziell, weil sie schon vor dem Endpunkt mehrere Rekorde brach. Hier sind drei weitere Gründe, weshalb «Mir langets!» kein gewöhnliches Crowdfunding-Projekt ist:

Der Initiator sammelt kein Geld, um sein Projekt verwirklichen zu können, sondern um es jemand anderem zu geben. Normalerweise wird mit dem gesammelten Geld ein (kultureller) Mehrwert geschaffen: Die Initiatoren können ihr Buch drucken, die Songs für ihre neue CD aufnehmen oder das Equipment für den Videodreh mieten. Das Geld ermöglicht neuen Inhalt. Natürlich ist das Geld auch bei der «Mir langets!»-Kampagne das Mittel zum Zweck. Doch der Inhalt beschränkt sich auf ein Statement.

Um dieses Statement geht es auch beim zweiten Grund: Crowdfunding-Kampagnen basieren immer auch auf den Goodies, die der Geber bekommt. Oft sind das ein Essen mit den Gründern, eine Jutetasche mit dem Logo drauf und ähnliche Dinge. Nicht so bei Donat Kaufmann: Die Unterstützer können wählen, ob ihre Namen auf der Titelseite der 20 Minuten prangen sollen, oder ob sie lieber darauf verzichten. Damit hat Kaufmann etwas geschafft, wovon alle, die auf der Strasse Unterschriften sammeln, nur träumen können: Es ist das erste Mal, dass die Leute bezahlen, damit sie eine Petition unterschreiben dürfen.

Der dritte Grund liest sich etwas gar negativ und stellt die Kritisierte, also die 20 Minuten, ins Zentrum. Stellen wir uns vor: Ich finde dich doof, weil du von der SVP sehr viel Geld genommen hast. Um dir zu zeigen, dass es jetzt reicht, gebe ich dir auch sehr viel Geld. Nicht nur Donat Kaufmanns Unterstützer bezahlen, damit sie protestieren können – Kaufmann selbst bezahlt 20 Minuten, damit er seine Wut an der Zeitung auslassen kann.

Offensichtlich trifft die «Mir langets!»-Kampagne bei ganz vielen Leuten einen wunden Punkt. An Demonstrationen sind manchmal solche Schilder zu sehen: «Ich bin so wütend, ich habe mir ein Schild gebastelt.» Heute sagen Kaufmanns Unterstützer: «Ich bin so wütend, ich habe sogar bezahlt.» Auch wenn die kritisierte Tamedia und 20 Minuten wegen dieser Aktion unverdienterweise um weitere gut 130‘000 Franken reicher wird, so ist sie in ihrer Einfachheit doch das perfekte Mittel, um zu sagen: mir langets! Obs für die Zukunft was bringt, werden wir sehen.

Transparenz: Auch ich will ein Zeichen setzen und habe dafür fünf Franken überwiesen.

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