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3 Beispiele, wie sich die NZZ gegen günstige Wohnungen wehrt

Unabhängige Qualitätszeitung?
26. Oktober 2015
Chefredaktor


Warum sich die Neue Zürcher Zeitung gegen günstigen und genossenschaftlichen Wohnraum wehrt, ist mit einer bubieinfachen Gleichung erklärt: Wo weniger bezahlt wird, wird weniger verdient.

Offenbar hat die Immobilienlobby einen direkten Draht in die Redaktion an der Falkenstrasse – anders ist nicht zu erklären, weshalb die alte Tante unter dem Deckmäntelchen des Qualitätsjournalismus ein ums andere Mal Zürcher Genossenschaften anschiesst.

Diese drei Beispiele entlarven die NZZ und zeigen deren absurde Haltung:

1. «Wenn man einmal einen Schwarzen sieht, freut man sich richtig»

Die Kalkbreite Genossenschaft gilt als Modell für zukünftiges (oder zeitgemässes) Wohnen und wird darum bis weit über Zürich hinaus gelobt. Nur die NZZ stört sich, dass an bester Lage zahlbare Wohnungen entstanden. Mehrmals schoss die Traditionszeitung gegen die Genossenschaft und deren Mieterinnen. Mit falschen Zahlen versuchte sie im April eine SP-Politikerin, die in der Kalkbreite wohnt, anzuschiessen. Warum?

Kurze Zeit später doppelte die NZZ nach und bemängelte die scheinbar fehlende Durchmischung in der Genossenschaft («In der Vorzeigesiedlung sind aber weder Randgruppen noch die vielbeschworene Multikultur zu Hause»). Unter einem Bild der Sonntagsausgabe steht sogar: «Wenn man einmal einen Schwarzen sieht, freut man sich richtig.» Was soll das?

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Weiter stichelte die Neue Zürcher Zeitung gegen das Kleingewerbe und unterstellte der Genossenschaft Vetternwirtschaft bei der Wohnungsvergabe und dass nur Linke da wohnen dürften. Woher nimmt die Zeitung das Recht, einer Genossenschaft vorzuschreiben, wer zu welchen Preisen darin wohnen darf?

2. «Wohnen im Öko-Puppenhaus»

Seit wenigen Wochen sind die Wohnungen im neu gebauten Kulturpark im Kreis 5 bezogen. Sie sind zwar nicht ganz billig aber doch deutlich günstiger, als die restlichen Neubauten im sogenannten Trendquartier Züri-West.




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Dass die Besitzer des Kulturparks vergleichsweise günstigen Wohnraum anbieten und sogar darauf achten, dass die Mieterschaft gut durchmischt ist, passt der NZZ überhaupt nicht in den Kram. Unter dem Titel «Wohnen im Öko-Puppenhaus» erschien im Juni ein Artikel, der mit fadenscheinigen Argumenten gegen den Neubau schoss. Kein Wunder, wer die übrigen Preise im Quartier anschaut, sieht rasch, dass der Kulturpark deutlich mehr Geld verlangen könnte – was aber noch lange nicht heisst, dass diese Luxus-Wohnungen dann auch vermietet werden könnten.

3. Mietzins-Wucher-Affäre

Letzte Woche wurden in Zürich mehrere Besitzer von Gammel-Wohnungen verhaftet. Die Wohnungen sind in erschreckendem Zustand, «auf engstem Raum, teils ohne funktionierende Wasser-, Strom- oder Wärmeversorgung, hausen mindestens 120 Menschen zu überteuerten Preisen», wie watson schreibt.

Ohne Zusammenhang findet die NZZ auch bei dieser Geschichte eine spektakuläre Argumentation, um den Genossenschaften die Schuld in die Schuhe zu schieben. Sie schreibt, es wäre anzunehmen, «dass in kommunalen Siedlungen und bei Genossenschaften auch ein kleiner Anteil günstiger Wohnungen für nicht ganz pflegeleichte Mieter reserviert werden kann». Ja, damit hat sie Recht. ABER: Das ist auch heute schon so. Wie die Zürcher Wohnbaugenossenschaften in einer Stellungnahme schreiben, muss eine Genossenschaft, sobald sie ein Stück Land im Baurecht auf Stadtzürcher Boden erhält, sich im Gegenzug verpflichten, ein Prozent all ihrer Wohnungen der Stadt zur Verfügung zu stellen. Obwohl dies die NZZ weiss, verschweigt sie den Fakt. Genauso wie sie verschweigt, dass die Mietzins-Wucher-Affäre nicht durch genossenschaftlichen Wohnungsbau, sondern durch den liberalen Immobilienmarkt verursacht wurde.




Wenn sich eine ehemalige Qualitätszeitung ohne echte Argumente gegen günstigen Wohnraum engagiert und darum die Genossenschaften durch den Dreck zu ziehen versucht, muss man sich zwei zentrale Fragen stellen: Wer profitiert? Die Immobilienbranche. Und wieso macht die NZZ bei diesem Spielchen mit? Offenbar reicht der lange Arm der Profiteure bis tief in die Redaktion der NZZ hinein.

 

Titelbild: Instagram/accaci_ch

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