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So wird in Zürich die 2000-Watt-Gesellschaft umgesetzt (und erreicht?)

Eigentlich sollten wir bis im Jahr 2050 nur noch 2000-Watt pro Person verbrauchen. Wo stehen wir heute? Und was ist mit dem neuen Ziel «netto null» bis im Jahr 2030?
09. Juli 2019

Titelbild: Hunziker Areal (Mehr als Wohnen), wo die 2000-Watt-Gesellschaft gelebt wird (Foto: Ursula Meisser)

Im Jahr 2008 waren die Zürcher*innen mutig. Unter dem Damoklesschwert der Klimakatastrophe stimmten mehr als drei Viertel für die 2000-Watt-Gesellschaft. Ebenfalls in der Abstimmungsvorlage stand das Ziel, den CO2-Ausstoss bis im Jahr 2050 auf eine Tonne pro Person und Jahr zu senken.

Wie kommt eigentlich dieser Benchmark der 2000-Watt zustande? Forscher*innen der ETH haben berechnet, wie viel Energie jeder Mensch im Durchschnitt verbrauchen darf, damit wir die Klimaerwärmung begrenzen und die knappen Ressourcen verantwortungsvoll nutzen. Das Ergebnis sind eben jene 2000-Watt pro Person. Diese Zahl steht auch für den durchschnittlichen globalen Energieverbrauch im Jahr 1990; in der Schweiz haben wir diese Menge aber bereits in den 60er-Jahren verbraucht.

Müssen wir nun also zurück in die «guten alten Zeiten»? Oder wie schaffen wir das Ziel bis im Jahr 2050? Und was machen wir mit der Forderung der «Klimajugend», welche netto null bis im Jahr 2030 verlangt? Mit dieser Verschärfung befasst sich momentan auch der Stadtrat von Zürich, welcher den Auftrag hat, hierzu eine umsetzbare Strategie zu erarbeiten.

Bis es soweit ist und die neuen Ziele konkret angegangen werden können, befasst sich Zürich weiterhin mit der Erreichung des 2000-Watt-Zieles. Wie sollen wir das schaffen? Wo stehen wir heute? Und was kann jede*r einzelne Zürcher*in tun?

Vor der Abstimmung im Jahr 2008 verbrauchte jede Person in Zürich mehr als 5000 Watt, die aktuellsten Zahlen vom Juli 2019 zeigen, dass wir im Schnitt bereits auf 3500 Watt pro Person angekommen sind. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass das Ziel von einer Tonne Emissionen CO2 pro Person und Jahr noch immer weit entfernt ist. Die Stadt Zürich teilte im Juli 2019 mit: «Die Emissionen konnten seit 1990 um 1,8 Tonnen reduziert werden. Im Mittel der letzten fünf Jahre stiess die Zürcher Bevölkerung 4,4 Tonnen Treibhausgase pro Person und Jahr aus. Das Zwischenziel für 2020 liegt jedoch bei 4 Tonnen. Dieses Ziel lässt sich mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr erreichen».

Weshalb Zürich bei der Menge der verbrauchten Energie auf Kurs ist, hat verschiedene Gründe.

  1. Die Stadt setzt seither noch mehr auf den öffentlichen Verkehr und hat die Tram- und Bus-Linien ausgebaut. Diese Elektro-Mobilität verbraucht viel weniger Energie im Vergleich zum motorisierten Individualverkehr.
  2. Areale, welche neu gebaut werden und maximal 2000-Watt pro Person verbrauchen, wurden von der Stadt gefördert. Es sind beispielsweise neue Genossenschaftssiedlungen wie das Hunziker-Areal in Oerlikon.
  3. Hausbesitzer*innen bekommen von der Stadt Anreize, ihre Öl-Heizungen zu sanieren oder abzuschaffen.
  4. Der Energiedienstleister ewz versorgt seit dem Jahr 2015 alle privaten Kund*innen mit 100% erneuerbarer Energie. Allein diese Massnahme hat zu einer Reduktion von 320 Watt pro Person geführt.

Einiges ist also bereits auf gutem Weg, einige Massnahmen greifen. Natürlich ist nicht nur die Politik, sondern auch alle Einzelpersonen in Zürich verantwortlich, dass wir die ehrgeizigen Ziele schaffen werden.

Als Konsument*in gilt es ebenfalls, sich möglichst energie- und ressourcenschonend zu verhalten. Dies funktioniert mit ein paar einfachen Regeln:

  1. Frisch, regional und saisonal essen oder einkaufen.
  2. Nicht mit dem Flugzeug verreisen, sondern mit dem Velo oder dem Zug.
  3. Wenige Dinge kaufen (bis ein T-Shirt bei uns im Laden hängt, hat es im Durchschnitt bereits 25’000 Kilometer zurückgelegt).
  4. Zuhause weniger heizen (nur schon ein paar wenige Grad kühler haben einen grossen Effekt).

«Dass wir heute bereits so weit sind, verdanken wir auch der Bevölkerung», betont Stadtrat Andreas Hauri, Vorsteher des Gesundheits- und Umweltdepartements. Viele Zürcherinnen und Zürcher verzichten auf ein Auto, kaufen regional und saisonal ein, nutzen Tauschbörsen, Sharing-Plattformen, Reparaturwerkstätten und vieles mehr. Die aktuelle Plakatkampagne «Zürcher Klimaheldinnen und Klimahelden» der Stadt Zürich zeigt, wie jede und jeder im Alltag zum Klimaschutz beitragen kann.

«Wir sind gut unterwegs. Aber wir müssen noch besser werden», beurteilt Stadtrat Andreas Hauri den aktuellen Stand. «Wir müssen jetzt den Schwung der Klimadebatte nutzen, um das Klima zu schützen und für die nachfolgenden Generationen ein lebenswertes Zürich zu erhalten».

Für das Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft gibt es einen Plan. Ein solcher muss für das Ziel «netto null» so bald wie möglich erstellt werden. Oder in den Worten des Club Of Rome: «Wir haben noch 11 Jahre, massiv umzusteuern».

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