10 Grafiken zu unserem Umgang mit Drogen

Egal, ob legale oder illegale Drogen: Sie sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Diese 10 Grafiken zeigen dir, wie wir Drogen konsumieren und mit dem Konsum umgehen.
04. Dezember 2018

Die Schweiz hat ein verkrampftes Verhältnis zu Drogen. Das hat bereits Jacqueline Fehr an unserem Podium gesagt und sie hat wohl recht damit: 85 Prozent der Menschen konsumieren Alkohol, das grösste Gesundheitsrisiko tragen dabei die Jüngsten zwischen 15 und 34 Jahren. Aber das ist okay, weil ein Gläschen irgendwas gehört halt dazu. Währenddessen hat über ein Drittel der Schweizer*innen schon einmal gekifft in ihrem Leben, sich also in die Illegalität begeben. Alleine 2017 wurden dafür in der Stadt Zürich über 2'000 Ordnungsbussen und Strafanzeigen verteilt: Nur für den Konsum von Cannabis. Nicht für den Handel, nicht für die Produktion: Nur für den Konsum. Zur gleichen Zeit wird illegal Heroin konsumiert, das nicht einmal zu 20 Prozent rein ist. Einziger «Lichtblick» dabei ist, dass durch eine progressive 4-Säulen-Politik die Anzahl Drogentote gegenüber den 90er-Jahren um zwei Drittel gesenkt werden konnte.

Es folgen 10 Grafiken, welche unser verkrampftes Verhältnis zu Drogen illustrieren.

1. Alkohol bleibt Volksdroge Nummer 1

Fast 86 Prozent aller befragten Schweizer*innen haben gemäss «Suchtmonitor 2017» angegeben, in den 12 Monaten davor mindestens einmal Alkohol getrunken zu haben. Alkohol ist damit die mit Abstand verbreiteste Droge in unserer Gesellschaft und wohl auch die am meisten akzeptierte. Gefolgt wird der Alkohol wenig überraschend von der zweiten legalen Droge, dem Tabak mit 25,2 Prozent. Die illegalen Drogen werden von jeweils deutlich weniger als 10 Prozent konsumiert. Es geht hier wie bei allen Begfragungen um sozial wenig akzeptierte Praktiken: Man weiss nicht, ob der Konsum wirklich so gering ist oder ob die Befragten einfach freimütiger zugeben, Alkohol zu konsumieren, während sie beim Cannabis eher mal ein «Nein» ankreuzen.

2. Gesundheitsrisiko durch Alkohol bei 15- bis 34-Jährigen am höchsten

Ein mittleres oder erhöhtes Gesundheitsrisiko beim Alkoholkonsum besteht gemäss der Gesundheitsdirektion des Kanton Zürichs, wenn man als Frau täglich 20 Gramm beziehungsweise als Mann 40 Gramm reinen Alkohols konsumiert. In einer Stange Bier hat es 10 Gramm Alkohol. Dabei fällt auf: Im Kanton Zürich ist der Anteil der 15- bis 34-Jährigen mit mittlerem bis hohem Gesundheitsrisiko mit 5,6 Prozent zwar nicht sehr hoch. Er ist aber fast doppelt so hoch wie in allen anderen Altersgruppen.

3. Über die Hälfte raucht oder hat geraucht

Der Tabakkonsum ist in der Schweiz stark verbreitet. Gemäss dem «Suchtmonitor 2017» haben in den Altersgruppen der 25- bis 44-Jährigen und 45- bis 64-Jährigen über die Hälfte angegeben, zu rauchen oder schon einmal geraucht zu haben. Dabei gilt: «Niemals-Rauchend» ist nur, wer in seinem Leben weniger als 100 Zigaretten geraucht hat. Von den befragten Rauchenden konsumieren 96,5 Prozent Zigaretten, am zweitmeisten werden Zigarren geraucht mit 4,6 Prozent. Zigarren sind aber vor allem bei Menschen über 65 Jahren beliebt, während bei jüngeren Menschen vor allem die Shisha Zuspruch erhält. Es kommt aber dennoch nichts in die Nähe der herkömmlichen Zigarette.

4. Ein Drittel aller Schweizer*innen hat schon Mal gekifft

Der Cannabis-Konsum hat sich in den 20 Jahren zwischen 1992 und 2012 fast verdoppelt gemäss dem Bundesamt für Statistik. Fast ein Drittel aller Befragten haben mindestens einmal in ihrem Leben Cannabis konsumiert – sich also in die Niederungen der Kriminalität begeben. Gemäss Befragungen des «Suchtmonitors 2017» ist dieser Anteil weiter gestiegen auf 33,8 Prozent im Jahr 2016.

5. Hat sich der Konsum harter Drogen verdoppelt?

Bei einer Befragung des Bundesamtes für Statistik gaben 2012 doppelt so viele Menschen wie 1992 an, in ihrem Leben schon einmal harte Drogen konsumiert zu haben. Zu diesen zählen Drogen wie Heroin, Kokain und Ecstasy. Der Anteil der Konsumierenden an der Gesamtbevölkerung bleibt mit 6,9 Prozent aber vergleichsweise tief. Bei der Verdoppelung stellt sich auch hier die Frage, ob die Menschen tatsächlich mehr konsumieren oder sich 20 Jahre später eher getrauen, es in einer Befragung zuzugeben. Der Anteil der Menschen, die innerhalb der 12 Monaten vor der Befragung konsumiert haben, ist deutlich niedriger mit 1,5 Prozent.

6. Kokain wird immer mehr zur Wochenenddroge

Die Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) misst seit mehreren Jahren den Drogengehalt des Wassers in mehreren Schweizer Städten. Es funktioniert nicht für jede Droge, aber bei Kokain schon. 2017 wurden in Zürich täglich 1,7 Kilogramm Kokain konsumiert. Es wirkt, als hätte sich das Komsumverhalten über die letzten Jahre dahingehend verändert, dass erstens immer mehr Kokain konsumiert wird und zweitens immer mehr am Wochenende (den Freitag miteinberechnet). Es handelt sich jedoch nur um eine Annahme, denn der Kokaingehalt in der Wasserprobe ist auch deshalb angestiegen, weil der Stoff immer reiner wird.

7. Der Reinheitsgrad von Kokain hat sich verdoppelt

Jährlich ermittelt die Schweizerische Gesellschaft für Rechtsmedizin (SGRM) den durchschnittlichen Reinheitsgrad von konfisziertem Kokain. Grössere Mengen haben im Durchschnitt einen höheren Reinheitsgrad, wobei sich das in den letzten Jahren stetig angeglichen hat. Im Vergleich zur nächsten Grafik zum Reinheitsgrad von Heroin wird Kokain in der Schweiz auch auf Grammbasis viel weniger gestreckt. Es mag wohl daran liegen, dass man in der Schweiz viel eher bereit ist, etwas mehr zu bezahlen und dafür reineren Stoff zu erhalten.

8. Strassen-Heroin wird extrem gestreckt

Vergleichbar mit der Messung des Kokains ermittelt die SGRM auch für Heroin jedes Jahr den durchschnittlichen Reinheitsgrad. In der Grafik werden nur beschlagnahmte Mengen bis zu 10 Gramm angezeigt. Diese repräsentieren einerseits den Strassenhandel am besten, andererseits wurden zu selten grössere Mengen konfisziert, um klare Aussagen treffen zu können. Es zeigt sich jedoch: Heroin wird deutlich stärker gestreckt als Kokain. Illegales Heroin hat oft kaum einen Reinheitsgrad von 20 Prozent. Es wird also extrem gestreckt, wobei oft unklar ist, mit welchen Substanzen. Eine Qualitätssicherung fehlt hier völlig, weil der Konsum von Heroin ausserhalb der staatlichen Verantwortung stattfindet.

9. Über 3'000 Konsum-Delikte wegen illegalen Drogen

Selbstgefährdung ist in den meisten Fällen straffrei. Nicht so bei illegalen Drogen: Neben der Produktion und dem Handel ist auch der Konsum strafbar. So verzeichnet die Stadtpolizei Zürich im Jahr 2017 zwar eine rückläufige Anzahl Konsum-Delikte, über 3'000 sind es aber immer noch. Zwei Drittel davon wegen Cannabis.

10. Anzahl Drogentote um zwei Drittel gesunken

Die Anzahl durch Drogen verursachte Tode ist von 376 im Jahre 1995 auf 132 im Jahre 2015 zurückgegangen. Das sind fast zwei Drittel weniger. Geht man davon aus, dass Heroin damals wie heute die meisten Tode verursacht, dann hat die 4-Säulen-Politik diesbezüglich einiges bewirkt. Jedoch sind in den Daten des Bundesamts für Statistik nur Todesfälle aufgeführt, welche direkt auf Drogen zurückzuführen sind. Todesfälle wegen einer schrittweisen Verschlechterung des Gesundheitszustands im Zusammenhang mit einem langfristigen Opioidgebrauch werden nicht berücksichtigt.

Titelbild: Marco Büsch / Timothy Endut

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