10 Dinge, die mein Sexleben besser machen

Zum Ausblick ein Rückblick: Was habe ich gelernt in 10 Jahren Sex? Was ist neu, was bleibt alt? Wird alles besser – oder nur ich?
28. August 2017

Okay, lass uns kurz einen Blick über die Schulter werfen. Zurück auf Sex mit 16, und auf die Reise, die damit begann, dass ich dachte: Is that all there is? 10 Dinge, die ich jetzt weiss und die mir auch ruhig mal jemand hätte sagen können; 10 Dinge, die mein Sexleben besser machen. Los gaht’s.

1. (Körper)Kommunikation

Dunkle Zeiten waren es, in denen ich der kühnen Hoffnung unterlag, sie wüssten schon, was sie tun; sie könnten meinen Körper lesen und sprächen alle dieselbe Sprache. Spoiler: Nei. Aber woher soll das Wissen auch kommen? So usm Nüt? Ich habe gelernt, Hände zu führen und zu stoppen. Körpersprache will auch gelernt sein.

2. Einstehen für meine Bedürfnisse

So im Nachhinein hab’ ich halt Fragen. An mich selbst. Zu viele Stunden habe ich mit miserablem Sex verbracht (no hard feelings. Lol). Stunden, die ich nie wieder zurückbekomme. Ich hab gewartet, bis es zu Ende ist, und das ist genau so schlimm, wie es klingt. Es dauerte eine Weile, bis ich das Konzept verstand: Sex soll immer beiden oder allen Spass machen. Man sollte Sex nicht aushalten müssen, auch nicht, wenn man lustvoll ins Geschehen ging und dann mit der Zeit die Lust verliert. Das kann passieren. Es fällt mir einfacher und einfacher, auf meine Lust zu hören; zu formulieren, dass für mich etwas nicht (mehr) passt – aber auch in Worte zu packen, wenn’s noch Raum nach oben gibt. Oder innen. He. He.

3. Fragen stellen. Fragen erwarten

Das mag trivial klingen. Aber: Als ich zum ersten Mal während dem Sex gefragt wurde :«Ist das gut für dich so?», fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Das sollte normal sein. Ich sollte Fragen hören! Ich darf sie stellen! Gefällt dir das? Lieber so? Magst du noch?

4. LASS OIS

Der ist vielleicht etwas offensichtlich. Umso länger und häufiger du etwas machst, umso geübter wirst du. Und wenn man mal einigermassen sicher im Sattel sitzt (sorry, die Wortspiele bieten sich nur so an heute), lassen sich neue Grenzen viel besser erkunden. Es stellt sich dann immer wieder heraus, dass es Stellen meines, seines und ihres Körpers gibt, die bis jetzt vernachlässigt wurden.

5. Nein sagen

Ugh. Ja. Aso nei. Ein ernstes Thema, dem diese Zeilen nicht gerecht werden. Tatsache ist, ich habe schon Sex gehabt, ohne es zu wollen. Ich habe meinen Consent gegeben, nach aussen, aber ihn nie von mir selbst bekommen. Sex war etwas, von dem ich dachte, dass es manchmal eben nötig ist. Und dass man – ich – Sex «geben kann», um dann etwas anderes dafür zu erhalten (Aufmerksamkeit, Liebe, Zärtlichkeit – so das).

6. Oralsex geniessen

Nur so. Vaginas und Vulvas sollen wie Vaginas und Vulvas schmecken und riechen, nicht wie Pfirsiche oder Zuckerwatte. Und: Sie sehen alle etwas anders aus. Es gibt keine falsch-aussehende Vulva, auch wenn wir auch hier gegen Schönheitsideale kämpfen. Mit der Zeit verlor ich meine Scham (es hat geholfen, mal selber einen mutigen Blick drauf zu werfen, «Ah, isch ja gar nöd so schlimm, k») und ich konnte zulassen, fremde Gesichter in die Nähe zu lassen. Oralverkehr ist nicht für alle, aber wenn es zu den eigenen Pläsierchen gehört, dann soll die Scham um die Scham nicht im Weg stehen.

7. Gründe, Sex zu haben

Es gibt genau einen richtigen Grund, Sex zu haben. Und der ist Lust auf Sex (Nicht: Ich schulde Sex).

8. Partnerwahl

Es gibt genau einen richtigen Grund, Sex mit einer spezifischen Person zu haben. Und der ist Lust auf Sex mit dieser spezifischen Person (Nicht: Ich schulde Sex).

9. Mit meinen Freund*innen über Sex sprechen

«Weisch no de vo geschter» wurde mehr und mehr zu: «Wie ist es für dich, während der Periode Sex zu haben? Lohnt sich das?» Ich bin froh, mit meinen Freund*innen über Sex sprechen zu können, ohne Aufregung, ohne Scham, ohne Urteile. Normalisierung braucht Zeit.

10. Körpergefühl

Mein Körper ist schön. Meine Schamhaare sind mein Problem. Ich schwitze beim Sex. Mir verschmiert auch mal `ne Augenbraue. Wenn du oben bist, siehst du mehrere Rollen. Meine Brüste fallen auf die Seite, wenn ich liege. Ohne Brille seh ich nicht sehr gut.

Phu. Das waren die letzten zehn Jahre. Auf die nächsten!

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