🍹🎉Tsüri Fäscht🎉🍹

2 x 3 Jahre alt wird Tsüri.ch am 18. Januar: Dieses Foto hingegen stammt von der Party zum 5. Geburi im Provitreff.

10 Anekdoten aus 6 Jahren Tsüri.ch

Heute, am 18. Januar, feiert Tsüri.ch seinen 6. Geburtstag. Wer hätte im Januar 2015 gedacht, dass es uns 2021 noch immer geben wird? Also wir nicht. Zur Feier des Tages verraten dir Tsüri-Mitarbeiter*innen ihre liebsten Anekdoten aus sechs Jahren Tsüri.ch.
18. Januar 2021

1. Der nervöseste Podiumsgast aller Zeiten

An der Pitch-Night zum Thema «Zukunft der Arbeit» im Herbst 2019 beehrte uns der hochdekorierte britische Professor Guy Standing, um über das Grundeinkommen zu referieren. Er reiste für den siebenminütigen Input extra aus seiner Wahlheimat Genf an, bestand allerdings darauf, am Abend noch mit dem Flugzeug wieder nach Hause zu fliegen. Eine absolute Klimasünde – unglücklich waren wir aber nicht. Immerhin wäre uns ein Hotelzimmer in Zürich einiges teurer zu stehen gekommen. Schon vor der Veranstaltung bat er uns, ihm gleich am Ende ein Taxi zu rufen. Da er kein Deutsch spricht, musste er die ganze Veranstaltung über warten, ohne auch nur ein Wort zu verstehen. Seine grösste Angst war es, den Flieger zu verpassen. Je länger alles dauerte, desto nervöser wurde der ältere Herr. Er schrieb auf einen Zettel in krakeliger Schrift folgendes:

Dieses Relikt mussten wir natürlich fotografisch festhalten.

Das Papier reichte er unserem Chefredaktor und Moderator Simon Jacoby, der ihn beschwichtigte. Nach seinem tollen Vortrag wurde er schnellstens aus dem Universitätsgebäude bugsiert und mit einem Taxi zum Flughafen geschickt.

Elio Donauer ist seit August 2018 bei Tsüri.ch. Zuerst sechs Monate als Praktikant und seither als Leiter Civic Media. Brauchst du irgendein Kabel oder einen Adapter, Elio hat es in seiner Sammlung.


2. Wer fotografiert denn schon WCs?

Zum 6. Geburtstag von Tsüri.ch bin ich, die Community- und Memberverantwortliche Seraina Manser bereit, ein Geheimnis zu lüften: Als Witz habe ich zusammen mit einer Freundin den Instagram-Account Choix de Toilettes betrieben. Seine Blütezeit war im Jahr 2016. Auf dem mittlerweile eher inaktivem Profil haben wir schöne WCs gezeigt und mit Bildlegenden auf Französisch versehen. Dieser hochstehende Content zog auch bald die Aufmerksamkeit von Tsüri-Chefredaktor Simon Jacoby auf sich, der darauf in die DMs von Choix de Toilettes slidete und ein Interview erbat. Zu welchem ich natürlich einwilligte. Zu diesem Zeitpunkt kannten wir uns nur flüchtig. Das ich dahinter steckte, habe ich ihm im Verlauf des Intis verraten. Wollte aber anonym bleiben. Ich mein, wer fotografiert denn schon WCs?! Entstanden ist dieses Stück mit dem sagenhaftem Titel: Diese Instagrammerin fotografiert Toiletten, weil sie «susch kei Hobbys» hat ;)

So viele Halter, aber trotzdem kein Papier: Das WC im Cabaret Voltaire.

Smileys im Titel machen wir mittlerweile keine mehr und mein seltsames Hobby hat Simon nicht abgeschreckt. Knapp zwei Jahre nach dem Interview habe ich meine Stelle bei Tsüri.ch angefangen und kann mir bis heute keinen spannenderen Job und kein cooleres Team vorstellen. Nur das WC könnte noch biz fancier sein....

Seraina Manser arbeitet seit Juli 2018 bei Tsüri.ch. Sie ist absolute Rekordhalterin im Verschicken der Anzahl Nachrichten im internen Kommunikationstool Slack.


3. Willkommen bei Tsüri.ch!

Auf der Suche nach einem Praktikum, versuchte ich letzten Frühling mein Glück bei Tsüri.ch mit einer Blindbewerbung. Und siehe da, ich wurde dazu eingeladen, einmal «auf einen Kaffee vorbeizukommen». Leider kam dann die Pandemie dazwischen und ein persönliches Treffen fiel erstmal ins Wasser. Zu diesem Zeitpunkt noch unwissend, ging ich einige Tage vorher ins Kulturzentrum Kosmos, mit dem vermeintlichen Versuch fürs Studium zu lernen. Eine Freundin erzählte mir an diesem Abend, dass im Kosmos eine Podiumsdiskussion zum Social-Credit-System in China stattfindet. Nicht dass ich mit chinesischer Politik viel am Hut hätte, aber es war eine willkommene Abwechslung, um mich vor dem Lernen zu drücken. Es stellte sich heraus, dass Chefredaktor Simon Jacoby durch den Abend moderierte. Nach der Podiumsdiskussion nutzte ich also meine Chance: Ich rannte mit meiner Tasche samt Laptop (den ich während der Zeit bei Tsüri.ch versehentlich in Bio-Energydrink – ein Werbegeschenk – getränkt habe) auf Simon zu und erzählte ihm, wie sehr ich mich auf das kommende Bewerbungsgespräch freute. Leicht irritiert meinte er, dass ich ihm auch bekannt vorkomme und dass er sich auch freue. Zu einem weiteren Treffen kam es nie, aber einige Wochen und Telefonate später hiess es dann «Willkommen bei Tsüri.ch!»

Sonya Jamil ist bereits die 7. Redaktionspraktikantin bei Tsüri.ch und die 2., die mehr als die Hälfte des sechsmonatigen Praktikums im Homeoffice verbringen musste.


4. Dresscode für's 10vor10

Eines nachmittags im August 2019 klingelte das Telefon. Am Apparat: eine Redaktorin von 10vor10. Es gehe um die von Bundesrätin Sommaruga geplante Medienförderung für Online-Medien. Ob ich Zeit für ein Interview hätte. Klar! Wann? Journalistin und Kameramann seien so gut wie unterwegs, in einer halben Stunde werde in der Tsüri-Redaktion gefilmt. Wegen der sommerlichen Hitze war ich mit kurzen Hosen und einem kurzarmigen und farbig gemusterten Hemd bekleidet. Wie alle, die sich insgeheim eine Karriere vor der Kamera erträumen, weiss ich, dass gemusterte Kleidung am Bildschirm nicht gut kommt. Und ich weiss auch, dass das ältere Publikum des 10vor10 Männer in kurzen Hosen eine Spur weniger ernst nimmt. Also los, ich hatte ja 30 Minuten Zeit, mir mein Statement zu überlegen und neue Kleidung zu besorgen. Sprint mit dem Velo vom Kreis 5 in den Kreis 4. Lange Hosen, Bügeleisen, einfarbiges und langarmiges Hemd. Sprint mit dem Velo zurück; verschwitzt aber rechtzeitig. Inzwischen hatte das Team das Büro aufgeräumt und überall Tsüri-Logos platziert, alles bereit für den grossen Auftritt. Das Hemd sass, die Statements auch.

Was man hier nicht sieht: Die Moderatorin steht auf ein paar Büchern aus dem Büro, damit sie auf Augenhöhe mit Simon ist.

Während der Ausstrahlung schnellte der Traffic in die Höhe, nach der Ausstrahlung schnellte er wieder zurück. Mein Grossvater hatte unwissentlich live zugeschaltet, eine Freundin von ihm auch. Weiteres Feedback gab es erst am Tag darauf in den sozialen Medien.
Hier der Beitrag mit dem gebügeltem Hemd:

Simon Jacoby ist Gründer von Tsüri.ch. Einen richtig peinlichen Lapsus in sechs Jahren Events moderieren, kam ihm für diese Auflistung nicht in den Sinn: «Ich war nur manchmal ein bisschen langweilig».


5. 2020, du warst gar nicht so schlecht zu mir!

Da ich erst seit kurzem bei Tsüri.ch bin und meine Zeit bis jetzt hauptsächlich im Homeoffice verbracht habe, kann ich dir leider nicht die ultimativ krasse oder lustige Geschichte auftischen. Darum erzähle ich dir einfach, wie ich überhaupt hier gelandet bin. Für mich als Luzerner war Tsüri.ch bis zu meinem 27. Lebensjahr inexistent. Doch dies änderte sich, als Isabel Brun, die ich aus dem Luzerner-Kuchen kannte, bei Tsüri.ch ein Praktikum machte. Sie überzeugte mich, Member zu werden. Im Oktober 2019 habe ich mich offiziell als Member Nummer 823 registriert. Ob mich Isabel nur dazu überredet hatte, damit sie zwei Monate später ein Portrait über mich schreiben konnte, ist bis heute nicht ganz geklärt.

Emillio wohnt zwar nicht mehr in diesem Wagen in Luzern, aber seine Leidenschaft für Pasta lebt er auch in Zürich noch aus.

Ich besuchte ab und zu anonym Veranstaltungen von Tsüri.ch. Im Kopf schwirrte immer wieder mal der Gedanke herum, dass es schön wäre hier zu arbeiten. Monate vergingen, ich kündigte meinen Job als Primarlehrer und wollte auf eine längere Radreise gehen. Das Datum für mein Abschiedsfest stand, doch irgendwann wurde mir klar, dass ich das Wort Abschied streichen konnte. Es war einfach ein Fest vor dem Lockdown. Ich war planlos. Nach einigen Monaten lächelte mir auf dem Bildschirm plötzlich ein Tsüri-Praktikumsinserat entgegen. Ich bewarb mich und bekam die Stelle. Ich war glücklich! Nach 28 Jahren zog ich das erste Mal in eine neue Stadt und fand nach nur einem Tag suchen eine Wohnung. Ich war noch glücklicher. Und nach meinem Praktikumsende kann ich nun sogar bei Tsüri.ch bleiben. Ich Glückspilz! 2020, du warst gar nicht so schlecht zu mir.

Emilio Masullos Praktikum ist im Februar 2021 zu Ende. Nicht so seine Zeit bei Tsüri.ch: Er wird uns in einem 50 Prozent Pensum erhalten bleiben.


6. Die Falken Anektote (!)

Anfang 2020, als man noch Witze über die Pandemie riss und sich in die Arme nahm, startete ich mein Praktikum bei Tsüri.ch. Schon bald hatte ich nicht mehr ins Büro zu kommen, Homeoffice war en vogue. In den täglichen Onlinemeetings tauchte irgendwann ein Link zur Falkenkamera auf. Meine damalige Obsession mit den Vögeln habe ich mittlerweile überwunden. Vielleicht auch durch den Text, den ich über diesen Live-Stream schreiben durfte. Es ist wie bei einem Kind, die Euphorie über ein neues Spielzeug schwindet schneller wie gedacht.
Mit der Pandemie wurde dieses Prakti vielleicht etwas auf den Kopf gestellt, aber genau solche Momente machten diese Zeit zu einer guten. Und damit meine ich nicht explizit die Falken. Sie stehen aber für ein Team, das Spass versteht und dir die grösstmögliche Freiheit bietet. Ich durfte in einem Text über Vögel und Kapitalismus nachdenken und im nächsten Moment widmeten wir uns als Team gemeinsam wieder den knallharten Dingen der Realität – wir analysierten die Ausschüttungen von Dividenden und die gleichzeitige Beantragung von Kurzarbeit. Während dem Schreiben dieser Anekdote schaute ich natürlich mal wieder bei den Falken vorbei. Eine rosa Abendstimmung legt sich über Zürich, die Kälte sieht man den Häusern irgendwie an. Ein toter Vogel liegt auf dem Brett. Im Livestream kann ich bis zu einem halben Tag zurückspulen. Seinen Tod habe ich zum Glück nicht mit ansehen müssen, er liegt wohl schon etwas länger dort. Die Vögel erinnern nun definitiv an Hitchcock. Eigentlich hätte diese Antektote (!) ja positiv enden sollen, warum musste der Vogel genau jetzt sterben?!

Auch die Tsüri-User waren angefressen vom Livestream: «Heute geht's ab!! Kampf zweier Weibchen etwa um 14:00 [...] !», kommentierte jemand unter Laras Artikel.

Lara Blatter absolvierte von Februar bis Juli 2020 das Redaktionspraktikum bei Tsüri.ch. Doch auch noch jetzt kannst du von ihr lesen, wie z.B. kürzlich die dreiteilige Reihe über das Café Boy.


7. Der wiedergefundene Rucksack

Zum 6. Geburtstag von Tsüri.ch möchte ich mich, ehemalige Praktikantin Civic Media, einerseits bei dem Tsüri-Team für die unvergessliche Zeit bedanken, aber auch beim Tsüri-Büro. Das Tsüri-Büro war nicht nur ein Ort der Inspiration, der vielen produktiven Meetings und Brainstormings, sondern auch ein praktisch gelegener Abstellplatz. Nachdem wir als Tsüri-Team im Winter 2019 den Weihnachtsapero der WOZ im Helsinki besuchten und uns reichlich an der Bar bedienten, war die Stimmung so gut, dass wir beschlossen weiter zu ziehen. Auf dem Weg an die Langstrasse machten wir Halt im Büro, um unser Gepäck abzuladen. Obwohl das Büro genügend freien Raum bot, beschloss ich aus unbekannten Gründen meinen Rucksack mühevoll unter das Sofa im Eingangsraum zu stopfen – ich hätte ihn auch einfach hinstellen können. So wahnsinnig der Abend begann, ging er auch weiter und wir landeten allesamt im Gonzo. Plötzlich konnte Computerflüsterer Nico in der Menschenmenge seinen Rucksack mit dem neuen Laptop drin nicht mehr finden. Wir verbrachten gefühlte zwei Stunden mit Suchen, aber da war einfach nichts. In diesem Moment war ich umso stolzer über mein gutes Rucksack-Versteck. Am nächsten morgen torkelte eine*r nach dem*der anderen ins Büro. Als ich meinen Rucksack unter dem Sofa hervorzog, sah ich Nicos Rucksack in der Ecke stehen. Die ganze Aufregung und Suchaktion am vergangenen Abend war umsonst gewesen. Lachend sendeten Seraina und ich Nico dieses Foto. Das Arbeiten fiel allen an diesem Tag eher schwer.

(v.l.n.r.): Artemisia, der vermisste Rucksack von Nico und Seraina.

Artemisia Astolfi war von September 2019 bis im Mai 2020 Civic Media Praktikantin. Auch lustig war, als sie eine Person namens Kristina wegen Autokorrektur mehrere Mails lang mit Krishna anschrieb.


8. Der Geist im Ticino

«Ich glaube, das Beste im 2020 war mein Praktikum bei Tsüri.ch», stellte ich, Ex-Praktikantin bei Tsüri.ch Annika Müller, neulich fest. Die vielseitigen Monate mit dem tollen Team waren für mich ein Highlight im sonst eher eintönigen Jahr. Zum 6. Geburtstag von Tsüri.ch greife ich aber eine etwas düstere Anekdote auf: Das Tsüri-Team verreiste im September in ein kleines Dörfchen im Tessin, genauer gesagt in eine alte Schokoladenfabrik. Am ersten Tag kam die Geschichte eines verunglückten Soldats auf, der in einem Tobel neben dem Gelände abgestürzt und nun als Gespenst herumgeistern sollte. In der warmen Abendsonne machte mir dieser Humbug keine Sorgen. Noch nicht, wie sich herausstellte: Als es mitten in der Nacht plötzlich rund ums Haus laut heulte und kreischte, hatte ich meine Zweifel. Völlig im Film – in der Nacht tendiere ich dazu, den gesunden Menschenverstand zu verlieren – war ich überzeugt, dass es hier wahrhaftig spucken musste. Paar unruhige Stunden Schlaf später erwähnte jemand beim Zmorge: «Hey, in der Halle nebenan läuft eine Kunstausstellung, ist jemand dabei diese anzuschauen?» Die Kunstausstellung bestand aus Totenköpfen in Booten und Videoaufnahmen von Fluchtreisen. Das Heulen, welches mich so aufschreckte, stammte von der eindrücklichen Ausstellung. Nach diesem anfänglichen Schrecken konnten wir doch noch eine schöne und lustige Woche verbringen, an die ich gerne noch zurückdenke. Nur warum das Heulen Tag und Nacht weiterlaufen musste, ist mir immer noch ein Rätsel.

Idyllische Nachmittagsstimmung bei der Schoggifabrik – doch der Schein trügt.

Annika Müller war von Mitte Mai bis Mitte September 2020 Civic-Media-Praktikantin. Weil sie sich in ihrem Touri-Guide über das «stinkende» Desinfektionsmittel im Hotel beschwerte, landete kurz darauf ein Couvert bei uns: «Wir haben uns Ihren wertvollen Input zu Herzen genommen und eine sehr gute Alternative gefunden. Anbei ein paar Proben».


9. Das Abenteuer Tsüri.ch

Vor einem Jahr habe ich meine Stelle bei Tsüri.ch angetreten. Ein Abenteuer: Fertig Ausland-News, zurück zum Lokaljournalismus, den ich ja schliesslich einst – wie so viele Journalist*innen – von der Pike auf gelernt habe. Uns blieb damals noch etwa ein guter Monat gemeinsamer Büro-Spass. Wir kamen sogar dazu, beim Kreiseln ordentlich Prosecco zu trinken und uns beim Powerpoint-Karaoke zu blamieren, bevor wir uns ins Home Office verabschiedeten. Nach einer kurzen Entspannung im Sommer, während dem wir als Tourist*innen in der eigenen Stadt unterwegs waren, in den Mittagspausen im Fluss gebadet und in einer Retraite unter der Tessiner Sonne neue Ideen gesponnen haben, hiess es ab Herbst wieder: Hallo Küchentisch. Da sich meine Arbeitszeit seither vor allem dort abspielt, hält sich mein Erzählstoff für gute Anekdoten wie bei Emilio in Grenzen. Dafür kann ich sagen: In einem solch engagierten und motivierten Team arbeiten zu dürfen ist nicht selbstverständlich und jeden Tag aufs Neue inspirierend. Gemeinsam die Geschichten der Menschen dieser Stadt erzählen zu dürfen ein Privileg. Neues zu wagen, anders zu sein und das in unsicheren Zeiten wie diesen – noch immer ein Abenteuer. Ein sehr schönes.

Rahel Bains ist seit Februar 2020 Redaktorin bei Tsüri.ch und seit November Redaktionsleiterin. Für das Shooting der Tsüri-Shirts organisierte sie im Frühling kurzerhand ihre Schwester und deren Freund als Model.


10. Jobsuche im Club

Es war stickig, laut und heiss im Kauz im April 2019. Dass es ein Samstag war, weiss ich nur noch dank eines Eintrags in meinem Kalender. Wochentage waren im Frühling 2019 nicht sonderlich relevant für mich. Ich hatte gerade mein eigenes Startup verlassen und überhaupt nichts zu tun. So verbrachte ich morgens meine Zeit damit, mir zu überlegen, was ich in Zukunft machen will, nachmittags gab es Bier oder Aperol Spritz mit Freund*innen und abends tanzte ich in den Clubs bis mich die Erschöpfung nach Hause trieb. In dieser besagten Samstagnacht aber traf ich auf die Exfreundin meines Mitbewohners. Wir tauschten Nettigkeiten aus, sprachen aber auch über meine Arbeitslosigkeit und dass sie gerade ein Civic-Media-Praktikum bei Tsüri.ch mache. Als Tsüri.ch-Fanboy erster Stunde (Member Nummer 108!) war mir das Stadtmagazin natürlich bekannt, aber dass man*frau da auch arbeiten konnte, wurde mir erst in diesem Moment klar. Total begeistert erzählte sie vom Team und versprach, dass sie mit dem Chefredaktor reden werde. Ich freute mich, befürchtete aber, dass sie sich in der nächsten Woche schon an nichts mehr erinnern würde. Am Montag darauf hatte ich jedoch eine Einladung im Posteingang. Einen Monat später traf ich Simon zu einem unverbindlichen Gespräch und noch einmal 15 Minuten später hatte ich einen neuen Job. Seither arbeite ich im tollsten Team von Zürich. Möglicherweise der ganzen Schweiz – und werde hoffentlich noch eine lange Zeit nicht in Clubs auf Jobangebote warten müssen.

Nico Roos ist seit Juni 2019 bei Tsüri.ch als Computerflüsterer angestellt. Er hat nicht nur für jede Situation das passende GIF parat, sondern lagert im Tsüri-Büro auch eine Kolloid-Mühle, mit der er irgendwann mal Tahini herstellen will.


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